System Erde

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Jede Art von Lebewesen, hat eine einzigartige Funktion auf diesem Planeten und ist so wichtiger Bestandteil des Ganzen.

Das Zusammenspiel der Arten findet in verschiedenen komplexen ökologischen Systemen statt – ähnlich Spinnennetzen, welches durch seine Vielfalt an Fäden, Belastungen und dem Ausreißen einzelner Fäden trotzen können. Kleine Störungen lassen sich abfedern. Ein Ökosystem kann sich durch eine Vielzahl an Arten erhalten und regenerieren.

Alle ökologischen Systeme der Erde sind fein aufeinander abgestimmt. Auch sie sind an irgendeiner Stelle miteinander verbunden, in einem großen Kreislauf von Wechselwirkungen. Nur diese Interaktion kann die Regenerationsfähigkeit der Natur gewährleisten.
Jede Art ist zur Aufrechterhaltung eines Ökosystems mehr oder weniger von Nöten und trägt so an irgendeiner Stelle dazu bei, dass Leben möglich ist. Die Artenvielfalt ist die Grundlage allen Lebens.

Jede Niete eines Flugzeugrumpfs trägt zum Zusammenhalten bei und verhindert damit ein Abstürzen des Flugzeuges.

Tierreich und Pflanzenreich ergänzen sich. Alle Tiere sind auf Pflanzen angewiesen und Pflanzen zum Teil auf bestimmte Tiere.
Alle Pflanzen spenden Luft, welche das Tierreich existenziell zum Atmen benötigt. Bestimmte Insekten wiederum sind für die Bestäubung zuständig, unterirdische Organismen für fruchtbare Böden und die Humusentwicklung. Wälder dienen als Wasserspeicher und Zentrum der Artenvielfalt.

Tiere und Pflanzen profitieren also von den verschiedenen Funktionen, welche durch ein Ökosystem entstehen. Bei intakten Ökosystemen herrscht ein Gleichgewicht, indem auch komplexe Nahrungsketten und Symbiosen entstanden sind: Tiere benötigen bestimmte Pflanzen oder andere Tiere zu Nahrungszwecken oder aufgrund eines direkten Geben-und-nehmens. Ein Großteil der Biomasse auf diesem Planeten erliegt diesen nahen Beziehungen zwischen Organismen, den sogenannten Symbiosen.

Abeja en lavanda Ein Beispiel für eine Symbiose findet sich ganz klar in der Beziehung zwischen Bienen und Blütenpflanzen. Auf der einen Seite trinken sie beim Flug von Blüte zu Blüte Nektar, sorgen nebenbei aber auch für die Bestäubung der einzelnen Pflanzen. In dem sie den Blütenpollen, welcher an ihrem Körper hängen bleibt weiterverbreiten, sorgen sie für einen reifen Fruchtansatz. Die Früchte dienen als Nahrung für Tiere und für die Fortpflanzung der Pflanze. Auch beides in Verbindung – wenn Früchte gegessen werden und die unverdauten Kerne an einem anderen Ort wieder ausgeschieden werden.
Wieder eine Symbiose.

Ohne Bienen würde (dem Menschen) nicht nur der Honig fehlen, sondern auch ein wesentlicher Teil an Wild- und Kulturpflanzen. Da Bienen in erheblichem Maße zum Erhalt von zahlreiche Obstsorten und andere Nutzpflanzen – und zu deren Erträgen – beitragen, ist ihre ökologische Bedeutung beträchtlich. Dieser indirekte „Nutzen“ ist um ein Vielfaches höher als ihre unmittelbaren Leistungen in Form der Honigproduktion.
Bienen zählen weltweit zu den wichtigsten „Bestäubern“ und etwa 84 Prozent der einheimischen Blütenpflanzen sind auf Bienen angewiesen. Wäre die Biene nicht, würde vielen Tieren die Nahrungsgrundlage entzogen.

Über die Nahrungskette und Symbiosen hängt das Leben aller Arten direkt oder indirekt voneinander ab. Selbst kleine und scheinbar unbedeutende Arten spielen eine große Rolle im Naturkreislauf. Plankton beispielweise, kleinste Organismen im Meer, bilden die Basis fast aller Nahrungsketten der Meeresbewohner_innen.

Wenn eine Art A ausstirbt, welche aber Fressfeind (Konsument) von Art B war, kann sich B ungehemmt vermehren, ausbreiten und andere Arten verdrängen. Darunter auch Art C, welche aber Nahrungsgrundlage von D war.
Solche „Störungen“ des Gleichgewichtes sind natürlich und pendeln sich nach einiger Zeit wieder ein. „Alles Leben ist gekennzeichnet durch Werden und Vergehen. Phasen massiven Artensterbens, ausgelöst beispielsweise durch Naturkatastrophen, hat es in der Erdgeschichte immer wieder gegeben – die letzte vor 65 Millionen Jahren.“ (WWF) Der natürliche Kreislauf regelt sich immer wieder selbst und schafft ein Gleichgewicht. Das Leben auf der Erde ist dieser fragilen Harmonie ausgesetzt.

„Seit dem 17. Jahrhundert wird jedoch der Rückgang der biologischen Vielfalt maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht.“ (WWF) Der Mensch hat Wege gefunden mit neuen wirkungsvollen Erfindungen, in sehr kurzen Zeiträumen so große Änderungen in Ökosystemen zu schaffen und dadurch das biologische Gleichgewicht derart zu stören, dass die natürlichen, selbstregulierenden Mechanismen den Ausgleich nicht mehr bewältigen können.
Doch er fügt sich dadurch auch selber Schaden zu.
Die Zusammenhänge sind meist nicht sofort ersichtlich oder sogar noch unentdeckt verborgen. Oft trifft der Schaden zuerst Menschen in einer ganz anderen Region.
Während die Impulse zu großen Veränderung aus den westlichen Industriestaaten kommen, treffen die Folgen abnehmender Artendiversität meistens arme Menschen in den sogenannten „Entwicklungsländern“, oder indigene Völker, da sie häufig darauf angewiesen sind, Nahrung, Heilpflanzen und Lebensunterhalt direkt aus der Natur zu beziehen.

Robbe, Eisbär, Kabeljau als Lebensgrundlage der Inuit

Inuit sind die indigenen Völker, welche im arktischen Teil Kanadas und auf Grönland leben. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebten sie traditionell von Fischfang und der Jagd auf Meeressäuger wie Robben und Eisbären.

Der menschlich verursachter Klimawandel (bspw. durch Abholzung von Urwäldern), Überfischung durch Fabrikschiffe verschiedener Nationen und industrielle Robbenjagd durch Weiße, hätten dazu geführt, dass den Inuit ihre Lebensgrundlage genommen wird (Siehe Grafik), wären nicht inzwischen Maßnahmen ergriffen wurden.

Blanchon-idlm2006 Die Robbenjagd, beziehungsweise der Handel mit Robenfellen und anderen, aus Robben hergestellten Produkten, wurde und wird aufgrund von Protest gegen brutale Jagdmethoden eingeschränkt. Die Sattelrobbe (ursprünglich zweitgrößte Robbenart) drohte zeitweise auszusterben.
Der Kabeljau besaß bis Mitte des 20. Jahrhunderts die größte Populationstärke der Fische. Leichte Erbeutbarkeit gute Verwertbarkeit führten zu starker Überfischung, so dass er bis Heute im Fortbestand bedroht ist. 1994 wurde ein Fangverbot über die gesamte Ostküste Kandas ausgeweitet.

Der Klimawandel schreitet fort. Durch ihn verlieren Robben und Eisbären zunehmend an Lebensraum. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind Menschen die Hauptverursacher des Temperaturanstieges durch Treibhausgase. Durch die Abholzung von Urwäldern wird, neben der unschätzbaren Vielfalt an Pflanzen, der natürliche Co2-Speicher namens Wald zerstört.
„Die Zerstörung der Wälder nimmt der Menschheit […] das Holz, […] zuverlässige Süßwasservorräte und erhöht außerdem die Gefahr von Überschwemmungen.“1

Inuit

Biologische Vielfalt als Grundlage menschlichen Lebens

Da Menschen, wie alle Lebewesen auf dieser Erde in Ökosysteme gebunden sind, ist die biologische Vielfalt (Artenvielfalt, genetische Vielfalt, und Vielfalt an Ökosystemen) eine Grundlage des menschlichen Lebens und Wohlergehens.
Die sich aus Ökosystemen ergebenden Nutzen für Lebewesen werden unter dem Begriff „Ökosystemdienstleistungen“ zusammengefasst. Solche Leistungen umfassen (aufeinander aufbauend) unter anderem die Nährstoff- und Wasserkreisläufe, biologische Filterfunktionen und Entgiftung, Bodenbildung und -regeneration, Bestäubung von Obstblüten und Klimaregulierung. Pflanzen und Tiere bilden die Nahrungsgrundlage des Menschen, liefern neben Textilien, Medizin, Baustoffen, Brennmaterial, auch Inspiration für Erfindungen.

„Natürliche Ökosysteme beherbergen eine ungeheuer große genetische Bibliothek, die der Mensch bereits zahllose Dienste geleistet hat und das Potential besitzt, ihr noch viele, viele weitere zur Verfügung zu stellen.“2 Ein wesentlicher Teil der Medizin baut auf die natürliche Heilwirkung von Pflanzen und Tieren auf, die „Apotheke Regenwald“ besitzt noch ein großes Potential für medizinische Entwicklungen. In der Umweltbeobachtung nutzt der Mensch auch verschiedene Arten zur Bioindikation (verschiedene Lebewesen reagieren unter Umweltveränderungen).

Biodiversität trägt zu vielen Aspekten des menschlichen Wohlbefindens bei. Sie liefert Rohstoffe und einen beträchtlichen Beitrag zur menschlichen Gesundheit.

Die Ökosystemdienstleistungen werden jedem Lebewesen auf der Erde zur Verfügung gestellt. Sie besitzen eigentlich keinen Wert welcher über Geldeinheiten quantifizierbar ist, doch haben bereits viele Menschen während des letzten Jahrhunderts von der Ausbeutung der Biodiversität finanziell profitiert.

Dharavi slum, Mumbai, India - 20081220 Diese Veränderungen haben die Armut innerhalb einiger sozialen Gruppen verstärkt und so den Abstand zwischen Arm und Reich vergrößert. In den letzten dreißig Jahren um mehr als das doppelte!
Die 360 reichsten Menschen haben so viel Geld, wie die 2,5 Millionen ärmsten zusammen.

Wenn Menschen außerdem versuchen in natürliche Kreisläufe einzugreifen, um eine Ökosystemdienstleistungen (gewinnorientiert) zu „verbessern“, hat dies letztendlich oft Auswirkungen auf andere Dienstleistungen.
In Folge von nicht nachhaltiger Nutzung bestimmter Dienstleistungen, Umweltverschmutzung und allgemein Eingriffen von Menschen in das fragile natürliche Gleichgewicht der Natur, verschlechtert sich die Verfügbarkeit von verschiedenen Ökosystemdienstleistungen rapide. In der, im Jahre 2001 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Studie „Millennium Ecosystem Assessment“ stellte sich heraus, dass sich zu diesem Zeitpunkt bereits schon 15 von 24 untersuchten Ökosystemdienstleistungen im Zustand fortgeschrittener und/oder anhaltender Zerstörung befanden.

Das ständige Verändern von intakten Ökosystemen kann mit einem Rückgang der Artenvielfalt, Klimaverschiebung und auch exemplarisch mit dem Absterben von Gewässern, welche ihre Selbstreinigungskraft verloren haben, verbunden sein. Langfristig wird der Wert der verlorenen Dienstleistungen die kurzfristigen wirtschaftlichen Gewinne, die durch die Veränderung von Ökosystemen erzielt wurden, um ein Vielfaches übersteigen.

Erhalt der Biodiversität ist Klimaschutz

Ökosysteme wie Wälder, Sümpfe und Korallenriffe binden große Mengen am Treibhaugas Co2 und regulieren das Klima auf diesem Planeten. Sie normalisieren aber nicht nur Veränderungen, sondern dienen auch der Anpassung an Klimaschwankungen. Feuchtgebiete schwächen Wetterextreme ab, Auen wirken als Puffer bei Überschwemmungen. Eine, durch hohe Artendiversität entstandene, Vielfalt an Genpools reagiert schneller und flexibler auf Veränderungen durch Klimawandel!

Aus der Umwandlung von natürlicher Vegetation in Nutzflächen, resultiert ein wesentlicher Teil der globalen Treibhausgasemission, welche die derzeitige Klimaerwärmung verursacht. Die Rodung der Urwälder, der „Grünen Lunge“ des Planeten, führt zu einer Co2-Freisetzung, welche 20 Prozent zu dieser Entwicklung beiträgt.

Funktionierende Ökosysteme machen das Leben auf der Erde erst möglich. Biodiversität spielt eine wichtige Rolle in der Art und Weise wie Ökosysteme funktionieren und in den vielen Dienstleistungen, die diese den Menschen bringen.
Biodiversität ist eine unersetzbare Ressource. Zusammen mit Rohstoffen, fruchtbaren Böden und uralten Grundwasservorkommen, gehört die Artenvielfalt zu dem von uns ererbten Kapital, welches wir aber ohne nachhaltige Gedanken, verschleudern.

Wenn wir weitermachen wie jetzt, werden wir uns in eine Situation bringen, welche bereits 1984 als ähnlich einem nuklearen Winter beschrieben wurde – dem nach der Explosion einer großen Zahl nuklearer Sprengsätze eintretenden Zustand.

Heute bemüht sich der Mensch, wenigstens kleine Bereiche (Biotope) zu erhalten, in denen sich die Natur noch selbst überlassen bleibt.
Doch die Verhinderung der schlimmsten Katastrophe von welcher der Mensch je betroffen war, kann nur mit einen tiefgründigem Wandel unserer Einstellung gegenüber der gesamten Natur und uns selbst einhergehen.

„Wir müssen mit dieser gewaltigen Aufgabe beginnen indem wir der Öffentlichkeit bewusster machen, wie dringend notwenig es ist, zu handeln. Überall auf der Welt sollten die Menschen verstehen, welche Bedeutung dem Verlust der biologischen Vielfalt zukommt […]“3

  1. (1-3) E. O. Wilson (Hrsg.): Ende der Biologischen Vielfalt? – Der Verlust an Arten, Genen und Lebensräumen und die Chancen für eine Umkehr, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, 1992. Kapitel 2. Der Verlust der Vielfalt, Seite 42 [zurück]
    Quellen/Inspiration:

    - http://www.suite101.de/content/biodiversitaet-ist-wichtig-fuer-die-oekonomie-a65197#ixzz1CoC0dUCu
    - http://www.greenfacts.org/de/biodiversitat/index.htm#1
    - http://de.wikipedia.org/wiki/Millennium_Ecosystem_Assessment
    - http://de.wikipedia.org/wiki/Inuit
    - http://de.wikipedia.org/wiki/Artenvielfalt
    - http://de.wikipedia.org/wiki/Sattelrobbe
    - http://de.wikipedia.org/wiki/Ökosystemdienstleistung
    - http://www.wasistwas.de/nc/aktuelles/artikel/article/warum-artenschutz-wichtig-ist/-7c05c71e06.html
    - http://www.wasistwas.de/natur-tiere/alle-artikel/artikel/link//6585ca069a/article/artenvielfalt-als-aufgabe.html?tx_ttnews[backPid]=53


1 Antwort auf „System Erde“


  1. 1 Homo faber « brainbreach Pingback am 17. Januar 2012 um 20:07 Uhr

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